Von Köln kannte ich bisher nur den Dom…

Ich habe ihn schon tausende Male auf Fotos gesehen und mich mit ihm für die Prüfungen in Kunst- und Architekturgeschichte an der Universität Florenz beschäftigt.

Der Gedanke daran, in dieser Stadt eine Hochzeit zu fotografieren, erfüllt mich mit Stolz und Vorfreude…

Ein junges Paar, er Deutscher aus Bayern und sie Tschechin, haben mich so weit von Berlin entfernt aus vielen anderen Fotografen ausgewählt …

Eine Hochzeit, die in einer altehrwürdigen Kloster-Kirche stattfinden würde, einem der wenigen Orte, welche die Bombardierungen des Zweiten Weltkriegs unversehrt überstanden haben …

Michael, der Bräutigam, hatte mir bereits im Februar am Telefon gesagt, als er mich buchte, dass ihn meine Art zu fotografieren, „Details der Normalität” zu erfassen, sehr beeindruckt hatte… ein wunderbares Kompliment, was mich mit dem Wunsch erfüllte, meine Arbeit besonders gut zu machen.

Während der sechsstündigen Autofahrt, die Berlin und Köln voneinander trennt, ließ ich die ganze Zeit meine Musik laufen und dachte dabei an die Fotos des Ortes, die ich gesehen hatte, und an den Dom.

Die Bilder dieser Plätze überlagerten sich mit den Bildern der Klöster von Florenz, mit dem Kloster des Konvents von San Marco und mit Santa Maria Novella im Zentrum meiner Stadt.

…und selbstverständlich musste ich dabei auch an meinen Dom und seine rote Ziegelkuppel denken …

Ich weiß, es wurde alles anders kommen, aber in gewisser Weise fühlte ich mich auf dem weg nach Hause, fühlte, dass ich meinen Platz finden würde und Menschen, die mich willkommen heißen.

Die Straße gefällt mir, sie lädt zum Nachdenken ein … die Gedanken und Gefühle bewegen sich schnell in meinem Kopf…

Ich spüre beinahe ihre Bewegung unter den Haaren, unter der Haut …

Ich nehme den Faden eines Gesprächs wieder auf, der oft wieder unterbrochen wird. Wenn ich unterwegs bin, ordne ich meine Gedanken, beobachte die Gefühle, fühle sie erneut…

verliebe mich.

Personen, Dinge, Straßen, Farben und Jahreszeiten vermischen sich im Kaleidoskop meines Lebens … Das Puzzle nimmt Formen an, Detail für Detail, Stück für Stück …

Ich lasse meine Sachen im Hotel und treffe mich mit einer deutschen Freundin, Andrea, die ich im vorigen Jahr auf einem Platz in Trinidad auf Kuba kennengelernt hatte.

Ich war dort auf der Suche nach Geschichten zum Erzählen, sie auf den Spuren des kubanischen Salsa, eines Tanzrhythmus, der den Körper unauslöschliche Schwingungen lehrt.

Es ist ein warmer und schöner Abend, wir lachen und erinnern uns an ein paar Abende, die wir gemeinsam in Hemmingways Lieblingslokal, dem Floridita, verbrachten, wo es dickflüssigen Daiquiri gibt, den wirklich beste Cocktail der Welt.

Am Morgen stehe ich zeitig auf und begebe mich zu Katrin, der Braut, nach Hause.

Es regnet, aber der Himmel ist hell … die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren und ich beginne sofort zu fotografieren …
Es macht mir sehr viel Spaß, bei Katrin befinden sich ihre Zwillingsschwester und eine Freundin aus Tschechien.

Ich fühle mich sofort willkommen, wie eine Freundin aus alten Zeiten, ich fotografiere die Vorbereitungen und trinke nebenbei einen Kaffee in kleinen Schlucken …
Der erste Teil der Hochzeit beginnt, Gestalt anzunehmen … ich bin glücklich und amüsiere mich … Ich erlebe eine intime, kostbare und auf jeden Fall spannende Stunde.

Ich steige ins Auto und fahre zum Ort der Trauung…

Michael begrüßt mich und wir betreten die Kirche.

Die Trauungszeremonie beginnt nach wenigen Minuten.

Die Atmosphäre ist feierlich und gleichzeitig entspannt.

Ich beobachte die Gesichter des Brautpaars … die Emotionen sind nicht verborgen, werden offen gezeigt, ohne Furcht oder Verlegenheit … Freude, Glück, Zufriedenheit, Rührung … Auf jeden Fall ein bedeutungsvoller und ereignisreicher Tag voller Lebendigkeit.

Genauso die Eltern und Gäste … Gespannte Aufmerksamkeit, um keine Nuance dieses einmaligen Tages zu verpassen …

Nach der Zeremonie begeben wir uns ins Kloster, wo alles für die Feier vorbereitet ist.

Das Essen und der Wein werden von Tänzen, Gruppenfotos und Spielen begleitet.

Ich bleibe nur für die Fotosession mit Michael und Katrin.

Das ist einer der schönsten Momente…

Wir sprechen über den Tag, über ihre Eindrücke … ich danke ihnen und sie mir ebenso.
Wir gehen ein Stück und machen Aufnahmen im Inneren des Klosters…

Momente voller Eleganz und Intimität, ich fotografiere in Farbe und in Schwarz-Weiß…

Ich möchte ein zeitloses Ergebnis, möchte ein Gedicht mit Licht schreiben…

Für einen Moment fühle ich mich nach Florenz zurückversetzt …

Gutes Licht

Emanuele

P.S. Ich hoffe dass Euch mein neuer Job gefällt.
Ich freue mich über Eure Kommentare!!

Danke!!